Femizid

Im Jahr 2020 wurden 139 Frauen in Deutschland durch ihren Expartner oder Partner ermordet. Jeden Tag versucht ein Mann in Deutschland seine Partnerin oder Expartnerin umzubringen. Jeden dritten Tag gelingt es ihm.

Femizid bezeichnet die gezielte Ermordung von Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts. Zumeist handelt es sich bei den Tätern um Männer. Einem Femizid gehen häufig vermehrter Missbrauch, Drohungen oder auch sexuelle Gewalt voraus. Femizide sind häufig geprägt von geschlechterhierarchischen Denkmustern.

Die WHO unterscheidet vier Formen des Femizids:

Femizid im Namen der Ehre: Die Ermordung einer Frau durch Familienmitglieder wegen eines Fehlverhaltens des Opfers (z.B. Ehebruch), um die Ehre der Familie wiederherzustellen. Schätzungsweise werden weltweit pro Jahr 5000 Morde im Namen der Ehre ausgeführt.

Intimer Femizid: Die Ermordung einer Frau durch einen Intimpartner wie etwa der (Ex-)Ehemann oder (Ex-)Freund.

Nicht-intimer Femizid:Bei dieser Form des Femizids werden Frauen von Tätern ermordert, die in keinem intimen Verhältnis zueinander stehen und/oder sich gar nicht kennen. Ein Motiv kann Frauenhass sein.

Mitgiftbezogener Femizid: Frisch verheiratete Frauen werden von ihren Schwiegereltern aufgrund von Uneinigkeiten in Verbindung mit der Mitgift getötet (z.B. wenn die Mitgift nicht hoch genug ist).

In Deutschland hat das Thema Femizid keine hohe Priorität. Das liegt unter anderemdaran, dass wenig Bewusstsein für das Thema in der Politik eingeräumt wird sowie an einer lückenhaften statistischen Erfassung und ungenauen Studien über Femizide. Zudem gibt es in Deutschland strukturelle Probleme, Femizide zu verhindern – wie etwa ungeschultes Polizeipersonal oder fehlende Plätze in Frauenhäusern. Das macht es den Opfern schwerer, ihren Tätern zu entkommen. Erschreckend ist außerdem die Rechtssprechung:  Der deutsche Bundesgerichtshof hat 2019 folgendes entschieden: Wenn das Opfer sich vor der Tat vom Täter getrennt hat, kann dies strafmildernde Umstände für den Täter haben.

Medien berichten häufig über Femizide, indem sie diese als „Familiendrama“ oder „Beziehungstat“ bezeichnen. Das ist allerdings problematisch, weil durch Begriffe wie „Familie“ und „Beziehung“ eine positive Betitelung mitschwingt und Täter und Opfer nicht direkt benannt werden. Außerdem werden geschlechtsspezifische Denkmuster und Macht-positionen kaum aufgegriffen. Deswegen beschloss die DPA im Jahr 2019 den Mord von Männern an Frauen auch als solchen direkt zu benennen.

Spanien machts besser…

2004 verabschiedete das spanische Parlament ein Gesetz gegen geschlechtsspezifische Gewalt. 2017 wurde der Schutz von Frauen vor Gewalt sogar zu einer Staatsaufgabe mit hoher Priorität! Das Thema ist verpflichtend im Lehrplan an Schulen verankert. Zudem wird Geld in Forschung und in das Gesundheitswesen investiert.

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