Danni bleibt!

Danni bleibt!

Warum seit einem Jahr Klimaaktivisti den Dannenröder Wald besetzen und warum sie von der Politik enttäuscht ist, kommentiert Emma von youngcaritas Deutschland.

Ein Kommentar von Emma Fohler

AutobahnVor 40 Jahren hat das Bundesverkehrsministerium den Bau einer Autobahn durch den 300 Jahre alten Laub- und Mischwald in Hessen beschlossen. Der Dannenröder Wald, liebevoll „Danni“ genannt, liegt zwischen Homberg (Ohm) und Stadtallendorf. Trotz der Dürresommer ist der Wald größtenteils gesund und zeigt wie eine nachhaltige und klimastabile Waldentwicklung aussehen kann. Mit seiner großen Artenvielfalt an Bäumen bietet er Tieren einen Schutzraum und Menschen einen ruhigen Naherholungsort.

ein brennender Wald
Der Regenwald brennt immer wieder.

Spätestens seit den jüngsten Debatten über den Klimawandel wissen wir alle, wie wichtig Bäume für uns Menschen sind. Wenn der Amazonas brennt, geht das auch Europäer:innen was an, denn Bäume filtern CO2 aus der Luft und produzieren Sauerstoff. Kurzum: Ohne Bäume können wir nicht atmen!

Auch die Bundesregierung kritisiert Brasilien immer wieder für die vielen Brandstiftungen im brasilianischen Regenwald, die von der dortigen Regierung nicht verhindert und teilweise sogar unterstützt werden. Von dieser Moral ist in der deutschen Politik allerdings nicht mehr viel zu sehen, wenn es um unseren eigenen kostbaren Wald geht.

Obwohl der Bau der Autobahn durch den Dannenröder Wald vor 40 Jahren, also lange bevor die gesamten schädlichen Auswirkungen des Klimawandels allgemein bekannt waren, beschlossen wurde, hält Verkehrsminister Andreas Scheuer an diesen Plänen fest.

Karte der Besetzung des Dannenröder Walds
So sieht es gerade im Danni aus

In Zeiten, in denen es immer unwahrscheinlicher wird, die 1,5 Grad-Grenze einhalten, geschweige denn die schwerwiegenden Folgen, die der Klimawandel im globalen Süden jetzt schon hat, tragen können, beschließt Scheuer eine Autobahn zu bauen!? Was wir brauchen sind keine Autobahnen, sondern ein besseres Zug- und Radnetz. Das ist inzwischen in aller Munde. Nur der Vekehrsminister schein das noch nicht mitbekommen zu haben. Wie kann es sein, dass ein wichtiger Bundesminister sich nicht im Klaren ist, über die Dringlichkeit der Bekämpfung der Klima-Krise? Wie kann es sein, dass er den Erhalt der deutschen Autoindustrie über die Gesundheit und Unversehrtheit aller Menschen stellt? Die Schaden des Klimawandels werden, wenn es so weitergeht unvorstellbar groß sein.

 

 

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Auch die schwarz-grüne Landesregierung trägt die Pläne gemäß Koalitionsvertrag mit. Die Grünen vor Ort können die Rodung wegen den alten Verträgen zwar nicht stoppen, jedoch könnten sie sich vehementer an die Seite der Umweltschützer stellen und so Platz schaffen, die veralteten Verträge nochmals zu überdenken. Indem sie den Bau der Autobahn zulassen, verliert ihr grünes Parteiprogram seine Glaubwürdigkeit.

Baumhaus mit "end capitalism"-Banner
ein besetztes Baumhaus

Politiker:innen fast aller Parteien bekennen sich in Reden zum Klimaschutz. Wenn es um konkrete politische Entscheidungen geht, sieht das aber ganz anders aus. Darum bringen Klimaaktivisti enorme Kräfte auf, um die Waldrodung zu stoppen. Im Klimacamp im Wald gibt es besetzte Baumhäuser, regelmäßige „Waldspaziergänge“, um Protest zu zeigen, und eine durchgehende Mahnwache. Jeden Tag reisen neue Aktivisti an, die für den Tag bleiben oder sogar, trotz Kälte, im Zelt übernachten. FridaysForFuture, der BUND, Greenpeace, Campact und weitere Klimabündnisse unterstützen und organisieren den Protest.

 

 

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Der Protest im Dannenröder Wald ist zum Symbol für einen Wandel in der Verkehrspolitik geworden. Es ist unter seriösen Expert:innen Konsens, dass es eine massive Reduktion der Verkehrswege mit dem Auto geben muss. Deshalb sollte der Bau einer neuen Autobahn mit aller Macht verhindert werden.

Baumhaus im Danni
in diesem Baumhaus wohnen Umweltschützer*innen

Die Aktivisti im Wald dürfen nicht alleine gelassen werden. Zwar gestaltet sich der Protest während der Coronakrise als schwierig, doch können wir alle sie unterstützen, indem wir zum Beispiel Spenden sammeln, vor allem warme Schlafsäcke und Essen werden gebraucht, selbst im Wald vorbeischauen, mit Freunden, Familie und Bekannten über den „Danni“ reden, den Appell gegen die Rodung unterschreiben. Auch online können wir der Politik zeigen, dass wir nicht einverstanden sind: In vielen deutschen Städten organisieren die jeweiligen FridaysForFuture Ortsgruppen am 11.12. eine Protestaktion.

 

Die Klimakrise wartet nicht und das Klima hält keine weiteren Rodungen mehr aus. Deutschland muss sich verantwortlich zeigen, denn wer A sagt, muss auch B sagen. Wer sagt, wir stehen hinter der 1,5 Grad-Grenze, muss auch die Verkehrswende angehen. Wer die Regenwaldrodungen verurteilt, darf nicht seinen eigenen Wald abholzen. Noch gibt es Hoffnung den Bau der Autobahn zu verhindern, denn gegen großen gesellschaftlichen Druck, kommt ein veralteter Vertrag nicht an!

 

Emma Fohler
FSJlerin youngcaritas Deutschland
Aktivistin bei FridaysForFuture Freiburg

 

 

 

 

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