Klimaaktivisti lassen sich nicht von Corona aufhalten

Wo steht die Klimabewegung und wie kann sie sich weiter entwickeln? Emma Fohler hat bei der „Jungen Klimakonferenz Deutschland (Lcoy)“ spannende Impulse bekommen.

Mädchen mit laptop auf dem Schoss
Foto: Pexels

Am 14.11.2020 habe ich an der „Lcoy“, der „Jungen Klimakonferenz Deutschland“ teilgenommen. Die Online-Konferenz will ein Zeichen setzen und jungen Menschen die Möglichkeit geben, über die Klimakatastrophe zu reden und Lösungsansätze zu diskutieren. Die Local Conference of Youth (Lcoy) gibt es in verschiedenen Ländern auf der ganzen Welt. In Deutschland wird sie vom BUND und vom Umweltministerium unterstützt. Ziel ist eine bessere Vernetzung in der jungen Klimabewegung und der gemeinsame Austausch.

In Workshops zu den Themen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft konnten sich junge Menschen kreativ ausleben, Impulse von Wissenschaftler*innen bekommen oder über die Problemlage diskutieren. Danach gab es Zeit sich besser kennenzulernen und zu vernetzen. Ich habe viele Menschen von FridaysForFuture wiedergetroffen. Die Klimabewegung ist definitiv nicht am Ende und noch voller Tatendrang und Energie.

Im Poetry-Workshop von Friederike Preuschen konnten wir uns kreativ ausleben und eigene Gedichte über unsere unsichere Zukunft schreiben. Der Fokus lag diesmal nicht auf Fakten, sondern auf unseren Emotionen und Gefühlen. Dadurch wird es leichter das ständige Reden über die große Katastrophe zu verarbeiten. So wichtig es auch ist, zu demonstieren, manchmal braucht es eben auch ein wenig Selfcare. Klimaaktivisti haben oft mit Überlastung und zu vielen schlechten Neuigkeiten zu kämpfen. Deswegen tat es gut, das Ganze mal von einer anderen Seite zu reflektieren. Die entstandenen Gedichte waren tatsächlich sehr rührend und jede*r konnte entscheiden, wie viel er*sie preisgeben wollte.

Der Workshop, den ich danach besuchte, räumte Platz frei, um sich mit den oft patriarchischen Strukturen der Gesellschaft zu beschäftigen. Frederick Stecher zeigte uns auf, warum Diversität in der Klimabewegung so wichtig ist und wie wir mehr Diversität erreichen können. Zwar gehört diese Diskussion bereits zum Alltag eines jeden Klimaaktivisti, doch müssen wir uns immer wieder vor Augen führen, was bei uns noch nicht gut läuft. Auch die Klimabewegung muss sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Eine diversere Klimabewegung findet mehr Zuspruch in der Gesellschaft und setzt ein Zeichen für Gerechtigkeit. Außerdem wurde über den westlichen Fokus, den viele NGOs haben, gesprochen. Warum sollte die Klimakrise mit allein westlicher Wissenschaft und Wirtschaft gelöst werden, wenn doch gerade diese für die Klimakrise verantwortlich sind? Die entstandene Debatte brachte viele interessante Ansätze hervor, sodass ich am Ende neue Ideen mitnahm, wie ich meine eigene Aktivismus-Arbeit nachhaltig verändern kann.

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Anschließend wurde der Fokus in einem Expert*innengespräch nochmals auf das wesentliche Thema gelenkt. Nämlich wie wir es gemeinsam schaffen können, die Klimakrise zum größten Teil zu verhindern. Auch wirtschaftlich gibt es mehr realistische Möglichkeiten als viele denken. Viele Firmen wissen bereits, dass sie umdenken müssen. Obwohl das Wirtschaftssystem natürlich auch strukturell verändert werden muss… Okay, jetzt rutsche ich schon in eine der Grundsatzdebatten, der sich die Klimabewegung stellen muss und auch stellt. Gerade Veranstaltungen wie die Lcoy ermöglichen jungen Menschen mehr Mitspracherecht und geben wichtige Fragen Platz. Auch in den sogenannten „Coronazeiten“ müssen wir uns weiter Gedanken über die Klimakatastrophe machen, denn sie wartet nicht auf das Ende des Lockdowns.

Zum Glück gibt es noch andere Formate als analoge Treffen um sich auszutauschen, wie eben Onlinemeetings. Zwar sind so viele Stunden vor dem Bildschirm auch anstrengend, doch lohnt es sich auf jeden Fall, sich doch mal auf ein Online-Event einzulassen. Gerade im Moment gibt es vielseitige Online-Programme, die sich mit der Klimakrise und Nachhaltigkeit beschäftigen. Ein gutes Beispiel wie sich junge Menschen an die Situation anpassen und nachhaltige Alternativen auskundschaften. Die ganz klare Message am Ende war: Wir machen weiter bis unsere Zukunft gerecht und sicher ist. Die Bewegung ist sicherlich noch nicht am Ende angelangt. Für alle Interessierten ist nächstes Jahr eine weitere Lcoy geplant.

Emma Fohler
FSJlerin bei youngcaritas Deutschland
Aktivistin bei FridaysforFuture Freiburg

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