Jung sein in Corona-Zeiten – kein Spaß!

Jung sein in Corona-Zeiten – kein Spaß!

Schule auf oder Schule zu  – das ist bei den Ministerpräsident:innen gerade die Frage. Lehrkräfte und Schüler:innen haben da nicht viel Mitspracherecht. Junge Menschen spüren momentan die Entscheidungen der Politik besonders hart, werden aber sehr selten gefragt.

Videokonferenzen sind keine Alternative
Foto: Pexels

Noch immer gibt es kein besseres Hygienekonzept für die Schulen, als regelmäßiges Lüften und Maske tragen.
Aber nicht nur die jungen Menschen, die noch zur Schule gehen, werden zu wenig beachtet, auch die, die gerade einen Schulabschluss gemacht haben und sich auf ein aufregendes Gap-Jahr gefreut haben, können momentan ihre nächsten Schritte nicht wirklich planen und mussten auf ihre schon gemachten Pläne häufig verzichten. Praktika sind momentan meist nicht möglich und ins Ausland zu gehen sowieso nicht, die Minijobs sind knapper denn je und die Ungewissheit, die in der Luft liegt, macht vielen psychisch zu schaffen.

 

Auch frischgebackene Auszubildende und Studierende haben es schwer. Diejenigen von ihnen, die in eine neue Stadt gezogen sind, finden dort kaum Anschluss. Ersti-Treffen und Partys fallen aus und somit auch die Möglichkeiten soziale Kontakte zu schließen. Die Seminare finden ausschließlich online statt, sodass viele Erstsemester-Student:innen wieder zu ihren Eltern gezogen sind, um wenigstens ihre alten Freund:innen und ihre Familie noch um sich zu haben.

Meilensteine des Erwachsenwerdens gehen somit verloren. Je älter die Menschen sind, desto weniger Freund:innen haben sie im Schnitt. Das bedeutet, dass junge Menschen noch viel stärker von den Kontaktbeschränkungen betroffen sind. Zudem wollen viele junge Menschen daten oder sogar eine Familie gründen. Die meisten haben diese Pläne auf die Zeit nach Corona verschoben, der Druck wird also immer größer. Trotzdem geben 83% der unter 30-Jährigen an, sich an die Maßnahmen zu halten, wie die Jugendstudie der TUI-Stiftung herausfand. Es fehlt nicht an Verständnis für die neuen Regeln, sondern an Perspektiven, wie es weiter gehen kann und an Sicherheit für die Zukunft.

 

Dates – Meilensteine des Erwachsenwerdens
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Gleichzeitig werden junge Menschen immer wieder als Sündenböcke hingestellt.
Immer wieder heißt es das Coronavirus verbreite sich vor allem bei jungen Menschen schnell und dauernd wird auf die eigene Verantwortung, wenn alte Menschen sterben hingewiesen. Das belastet und demotiviert. Wenn die Jugend nicht bald von ihrem „Wartegleis“geholt wird, wie der Soziologe Klaus Hurrelmann es dem ZDF beschreibt, wird die Akzeptanz für die Maßnahmen irgendwann immer kleiner werden. Zudem kommt, dass Maßnahmen, wie nur noch einen befreundeten Haushalt treffen zu dürfen, auf Familien und Erwachsene passend sind, aber nicht der Lebensrealität von jungen Menschen entsprechen. Um sich weiter zu entwickeln, brauchen sie den Austausch und Kontakt mit Gleichaltrigen, nicht mit einer Familie, mit der die Eltern zufällig befreundet sind. In großen Gruppen probieren sich Jugendliche aus und finden ihren Platz in der Gesellschaft. Dass diese großen Gruppen gerade nicht möglich sind, ist schon klar, aber zu behaupten die Probleme von jungen Menschen seien Luxusprobleme ist unfair.

 

Mädchen im Supermarkt mit Maske
Derzeit gibt es wenige Gelegenheiten Leute zu treffen.
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Ihr ganzer Alltag ist durcheinandergeraten und alle Aktionen, aus denen sie normalerweise Kraft tanken, finden gerade nicht statt. Sie haben die Zeit nicht, die Generationen vor ihnen bereits hatten und es spielen auch ganz existenzielle Sorgen rein. Die meisten älteren Menschen haben bereits eine Ausbildung und einen Job, während junge Menschen noch auf der Suche danach sind. Die Ängste der jungen Menschen müssen gehört werden und es braucht Lösungsansätze. Ansonsten wird sich unter den jungen Menschen das Gefühl breit machen, alleine gelassen zu werden.

 

Uns jungen Menschen darf es zurzeit schlecht gehen und es ist wichtig, dass wir darüber sprechen. Gemeinsam können wir es nach wie vor schaffen, diese Krise zu bewältigen und auch mental können wir uns gegenseitig stärken. Wir sind mit unseren Problemen nicht alleine und unsere Probleme sind gerechtfertigt.

Wenn die Stimmen der jungen Bevölkerung nicht mehr Gehör finden, könnte die Coronakrise auch zu einer Generationenkrise werden.

 

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Emma Fohler
Freiwilligendienstleistende youngcaritas Deutschland

 

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